Gesundheit

21. Juni 2022

Zecken: Immer mehr FSME-Risikogebiete

Wer in der freien Natur unterwegs ist, sollte wissen, wie er sich vor einem Zeckenbiss schützen kann, denn die Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), sind alles andere als harmlos. Borreliose kann zu chronischen Leiden und FSME sogar zum Tod führen.

  • Text : Marketing der ALH Gruppe
  • Lesedauer : 4 Minuten

Jüngst hat das Robert Koch-Institut (RKI) wieder neueste Daten und Erkenntnisse zu der hauptsächlich von Zecken übertragenen lebensgefährlichen Krankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) veröffentlicht. Demnach wurden letztes Jahr 390 neue FSME-Fälle in Deutschland gemeldet. Im Jahr zuvor waren es sogar 712 Fälle, die bisher höchste Anzahl an FSME-Neuerkrankungen seit 2001. Den niedrigsten Wert gab es 2012 mit 204 bekannt gewordenen Fällen. Tendenziell steigt die Zahl der FSME-Meldungen an.

Seit 2016 gab es kein Jahr mehr, an dem weniger als 300 FSME-Neuerkrankungen registriert wurden. Zudem steigt die Anzahl der Regionen, in denen vermehrt FSME-Fälle aufgetreten sind. Aktuell zählen 175 von insgesamt 401 Landkreisen, Kreisen und kreisfreien Städten zu den FSME-Risikogebieten – das sind sechs Regionen mehr als ein Jahr zuvor. Im Webportal des RKI ist online eine Deutschlandkarte mit den farbig gekennzeichneten Risikogebieten abrufbar.

Lebensgefahr durch FSME

Als FMSE-Risikogebiet gilt eine Region, in der in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr als fünf FSME-Fälle pro 100.000 Einwohner registriert wurden. Das heißt aber auch, dass in Gegenden, die keine Risikogebiete sind, es durchaus auch Zecken geben kann, die FSME übertragen können. Nach RKI-Angaben besteht ein Risiko für eine FSME-Infektion hierzulande „vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen.“

Die sechs neu hinzugekommenen Risikogebiete befinden sich in Brandenburg, hier sind es die drei Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße, in Sachsen der Stadtkreis Chemnitz und der Landkreis Görlitz sowie der Stadtkreis Solingen in Nordrhein-Westfalen. Zudem gibt es auch in anderen Ländern wie zum Beispiel in Österreich, Schweiz, Polen, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Tschechien, Liechtenstein, Litauen, Estland, Lettland, Russland und Ukraine immer wieder FSME-Fälle.

FSME ist eine Viruserkrankung, die sich nach rund sieben bis 21 Tagen durch Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Magenbeschwerden oder Durchfall zeigt. Nach einem kurzen beschwerdefreien Zeitraum können die FSME-Viren zudem eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung auslösen, was zu Fieber, Kopfschmerzen, Sprach- und Schluckbeschwerden, Nackensteife, Krämpfen und Lähmungen bis hin zum Koma oder Tod führen kann. Das RKI rät insbesondere allen, die in einem Risikogebiet wohnen, arbeiten oder dorthin reisen, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Borreliose kann chronisch verlaufen

Eine besonders häufig durch Zecken übertragene Krankheit ist Borreliose, auch als Lyme-Borreliose bekannt, die durch Borrelien-Bakterien ausgelöst wird. Experten gehen davon aus, dass je nach Region bis zu 30 Prozent der Zecken solche Borrelien-Bakterien in sich tragen. Borreliose ist anders als FSME keine meldepflichtige Krankheit. Eine Impfung dagegen gibt es nicht. Das RKI geht davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 80.000 und 100.000 Personen neu an Borreliose erkranken.

80.000

Erkrankungen

pro Jahr in Deutschland

Wer von einer Zecke gestochen wurde, sollte zeitnah, spätestens jedoch binnen zwölf Stunden die Zecke entfernen. Je später sie entfernt wird, desto höher ist nämlich das Risiko einer Borrelieninfektion. Wurde man mit diesen Bakterien infiziert, zeigt sich dies oft erst nach Tagen oder Wochen durch eine ringförmige rötliche Hautveränderung, die sogenannte Wanderröte, direkt an der Stichstelle oder an anderen Körperstellen. Eine Borrelieninfektion kann auch bis zu sechs Wochen nach einem Zeckenstich zu Fieber, Müdigkeit und Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen führen.

Wer Hautveränderungen nach einem Zeckenstich bemerkt, sollte sich zeitnah von einem Arzt ein spezielles Antibiotikum gegen Borrelien verschreiben lassen. Anderenfalls kann auch nach Wochen oder gar Jahren eine chronisch und in Schüben verlaufende Multisystemkrankheit auftreten, die fast jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Körpergewebe betreffen kann. Möglich sind dann chronische Hautentzündungen über Nervenschmerzen, halbseitige Gesichtslähmungen, Herzerkrankungen bis hin zu Tastsinn- und Sehstörungen sowie Lähmungen an Armen oder Beinen.

Schutzmaßnahmen vor Zeckenbissen

Zecken können noch weitere Krankheiten wie das Zecken-Fleckfieber auslösen, daher ist es sinnvoll, sich vor einen Zeckenbiss zu schützen. Die Tiere sind bereits ab einer Außentemperatur von sechs bis sieben Grad Celsius aktiv. Zecken sitzen auf Grashalmen, Büschen und auf Hölzern und lassen sich dort von vorbeilaufenden Tieren oder auch Menschen abstreifen. Wer draußen geschlossene Schuhe, langärmelige Oberbekleidung und lange Hosen trägt, reduziert das Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden.

Laut RKI ist es generell wichtig, nach dem Aufenthalt in der Natur den ganzen Körper gründlich nach Zecken abzusuchen. Dies gilt insbesondere für die Kniekehlen, die Leisten, unter den Achseln, hinter den Ohren sowie am Kopf und Haaransatz, da Zecken warme, weiche Hautstellen bevorzugen. Entdeckt man, dass sich eine Zecke am Körper festgesetzt hat, ist diese umgehend mit einer Pinzette oder speziellen Zeckenkarte/-zange zu entfernen. Die Zecke sollte damit möglichst dicht an der Haut gepackt und vorsichtig herausgezogen werden.

Danach ist die Stichstelle sorgfältig mit einem geeigneten Mittel zu desinfizieren. Auf keinen Fall sollte man die Zecke beim Entfernen zerquetschen oder sie mit Öl, Cremes oder anderen Mitteln einreiben, denn das könnte dazu führen, dass das Tier vermehrt Erreger freisetzt.

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