Gesundheit

Frau läuft durch hohes Gras
9. Mai 2023

Wie gefährlich sind Zecken?

Zecken können Krankheiten übertragen – doch wie hoch ist das Risiko dafür? Und wie erkennt man erste Symptome einer Borreliose oder FSME?

  • Text : Marketing der ALH Gruppe
  • Lesedauer : 5 Minuten

Nach einem langen Tag im Grünen macht man abends nicht selten einen unerfreulichen Fund: Eine Zecke hat sich festgesetzt. Wie aber kommen wir mit ihnen in Kontakt? Die kleinen Spinnentiere halten sich bevorzugt in Gräsern und Büschen in einer Höhe von 30 bis 60 Zentimetern auf. Menschen oder Tiere fangen sie sich meist beim Gehen durchs Gras ein oder streifen sie von Sträuchern ab. Zecken brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit, um nicht auszutrocknen und Temperaturen über zehn Grad, um aktiv zu sein. Man findet sie daher am häufigsten von März bis November in dicht bewachsenen, feuchten Wäldern und Wiesen, an Waldrändern und Flussauen. Dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, ist übrigens ein veralteter Mythos und stimmt nicht.

Zecken sind Parasiten, die sich vom Blut anderer Lebewesen ernähren. Krabbeln sie einmal an ihrem Opfer, suchen sie sich eine möglichst weiche, gut durchblutete und dünne Hautstelle. Besonders beliebt sind die Achselhöhlen, die Kniekehlen, der Genital- und Lendenbereich sowie Brust und Bauch. Bei Kindern findet man Zecken auch häufiger am Kopf, Hals oder Ohr. Um Blut zu saugen, bohren die Tiere ihre Stechwerkzeuge in die Haut ihres Opfers und können dort bis zu 15 Tage verbleiben, bevor sie sich wieder fallen lassen. Ein Zeckenstich ist schmerzlos und bleibt leicht unbemerkt. Manchmal kommt es zu kleinen Hautrötungen, die jedoch nach ein paar Tagen wieder verschwinden. Zeckenstiche sind dennoch nicht harmlos, da sie gefährliche Krankheitserreger übertragen können.

Wie schützt man sich?

Manche Menschen werden eher von Zecken gestochen als andere. Das liegt vermutlich an der chemischen Zusammensetzung ihres Schweißes. Allgemein erkennen Zecken mögliche Opfer am Geruch, an der Körperwärme und am ausgeatmeten Kohlendioxid. Um Gesundheitsprobleme zu vermeiden, sollte man sich generell vor Zeckenstichen schützen. Verzichten Sie im Sommer lieber darauf, Mittagspause oder Picknick im hohen Gras oder an Waldrändern zu verbringen und meiden Sie hohe Wiesen und Sträucher.

Am besten schützt auch dicht abschließende Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen, die man in enganliegende Socken steckt. Glatte Stoffe bieten den Tieren weniger Halt, helle Kleidung hilft, die winzigen Zecken leichter zu entdecken. Außerdem gibt es Zeckensprays, die man auf Kleidung oder Haut sprüht, um die lästigen Tiere zumindest zeitweise fernzuhalten. Da Zecken nicht sofort zustechen, sondern auf der Suche nach einer geeigneten Stelle zunächst auf der Kleidung und dem Körper herumlaufen, ist es immer sinnvoll, sich und die Familienmitglieder nach dem Aufenthalt im Grünen gründlich abzusuchen. So können wir die Tiere entfernen, bevor sie zustechen.

Vorsicht bei Schwellungen und Fieber

Sollte sich eine Zecke bereits festgesetzt haben, ist es wichtig, sie schnellstmöglich zu entfernen. Denn je länger der Saugvorgang anhält, desto wahrscheinlicher ist eine Übertragung von Krankheitserregern. Wer sich in der Natur aufhält, steckt daher am besten stets eine Zeckenzange, -pinzette oder -karte ein. Notfalls geht es auch mit den Fingernägeln. Bei allen Werkzeugen ist es wichtig, die Zecke so hautnah wie möglich zu greifen. Beim Quetschen des Tierkörpers können ansonsten gefährliche Körperflüssigkeiten abgegeben werden. Auch Substanzen wie Öl, Klebstoff, Alkohol oder Nagellackentferner erhöhen das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern.

Tipp:

Beim Entfernen dürfen wir die Zecke nicht ruckartig herausreißen oder drehen. Vielmehr ziehen wir sie gerade und gleichmäßig langsam heraus. Nach dem Entfernen der Zecke ist es ratsam, die Stichstelle mit einer Hautdesinfektion oder Alkohol zu behandeln.

Verbleiben nach der Entfernung noch Teile des Stechapparats in der Haut, stößt unser Körper sie normalerweise problemlos selbst ab. Wenn die Einstichstelle stark anschwillt, schmerzt, heiß wird und pocht oder grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten, sollten wir eine ärztliche Praxis aufsuchen. Ein Alarmsignal ist auch, wenn sich Rötungen ausbreiten oder nicht zurückgehen.

Zecke richtig entsorgen

Nach der Entfernung macht man eine Zecke am besten unschädlich, indem man sie in ein zusammengefaltetes Stück Papier legt und sie mit einem festen Gegenstand wie einem Glas oder einem Stein zerdrückt. Schuhsohle und Fingernagel sind dafür nicht geeignet. Da die Tiere auch im Wasser überleben können, sollte man sie nicht über die Toilette entsorgen. Eine generelle Laboruntersuchung von Zecken wird nicht empfohlen.

Risiko Borreliose

Borreliose ist eine bundesweit vorkommende Bakterieninfektion und mit geschätzten 60.000 bis 100.000 Fällen pro Jahr in Deutschland die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung. Je nach Region sollen bis zu 30 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert sein. Überträgt eine Zecke beim Stich diese Bakterien, bildet sich häufig eine ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle, die während der ersten zwei Wochen sogar handtellergroß oder größer werden kann. Manchmal zeigen sich auch Knötchen oder Juckreiz auf der Haut. Unbehandelt geht die Rötung zwar mit der Zeit von selbst wieder zurück. Es kommt aber möglicherweise nach Wochen bis Monaten zu Entzündungen des Nervensystems und anderer Organe. Manchmal treten Taubheitsgefühle, Nervenschmerzen und Lähmungen im Gesicht, an Armen und Beinen auf. Im Spätstadium können Betroffene auch unter wiederkehrenden Gelenkentzündungen leiden. Verdächtige Anzeichen einer möglichen Borreliose sollte man daher unbedingt in einer ärztlichen Praxis vorstellen.

Grippe oder doch FSME?

Zecken können außerdem Viren übertragen, die zu Gehirnhautentzündungen führen. Jedes Jahr infizieren sich mehrere tausend Menschen aller Altersgruppen durch einen Zeckenstich damit. Die Erkrankungen treten besonders im Zeitraum zwischen April und Oktober auf, mit Spitzenwerten im Juni und Juli. Daher kommt auch die Bezeichnung Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Eine FSME zeigt sich zunächst meist mit grippeähnlichen Symptomen. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen kommt es zu einer zweiten Erkrankungsphase. Vermehrt sich das Virus dabei in Gehirn und Rückenmark, sind schwere Verläufe mit bleibenden Beschwerden wie Lähmungen, Schluck- oder Sprechstörungen die Folge. In vereinzelten Fällen ist die Erkrankung sogar tödlich.

Gegen Zecken kann man sich nicht impfen lassen, auch nicht gegen Borreliose. Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis gibt es jedoch eine Impfung, die die Ständige Impfkommission (STIKO) für Personen in FSME-Risikogebieten empfiehlt.

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